Rand um Geliesel

Veröffentlicht in: Lieseln, Nähen, Quilt, Tipps und Tricks fürs Lieseln | 13

Wie neulich angedeutet, habe ich ein Mosaik gelieselt. Es wird ein Wandbild – nur ein wenig Geduld, ich zeige es gleich . . .  – jedenfalls ist die gelieselte Fläche ca. 23 cm hoch und 84 cm breit. Üblicherweise appliziert man abschließend die gelieselte Fläche auf Randstreifen. Entweder unauffällig mit Quiltgarn, mit kleinen fast unsichtbaren Stichen, oder beherzt sichtbar mit Zierstich und Stickgarn.
Für dieses Wandbild wollte ich aber eine komplette, eingebettete Patchworkfläche. Es mag nur ein ganz kleiner Unterschied sein, aber so ist es nun mal. Also probierte ich das Ansetzen des Randes im Lieselstil, also mit Überwendlingsstich. Ich bin so glücklich mit dem Ergebnis!

As I hinted lately, I started a little Liesel-mosaic. Just a little more patience . . . – I’ll show it in a second! It will be a picture to hang up. The size of the lieseled (pieced) part is about 23 cm high and 84 cm wide. Usually you add a border by appliqué, be it almost invisible with tiny stitches and quiltgarn or obvious with colored embroidery cotton and decorative stitches.
This time I wanted to be the pieced part embedded with the border, for a whole pieced look. Maybe a very small difference. But that was the idea! So I tried adding a border in liesel-style, by using the whipstitch. And it worked nicely, I am totally happy with the outcome!

Zum Verdeutlichen und vielleicht als Anleitung für diejenigen von euch, die es probieren wollen, hier das Vorgehen in Text und Bild:
To show it and give some hints for those of you who want to try, some pictures and words about it:

Als erstes werden die Randteile zugeschnitten (Nahtzugabe beachten, ca. 1 cm rund um jedes Teil) und angeordnet.
Cutting out the border pieces (seam allowance ca. 1 cm all around) and arranging it.

[Ich wollte das Foto erst ausschneiden, aber ich gebe es zu: Ja. Ich habe eine Eisdiele unter meinem Nähtisch.] Jetzt ist der Rand komplett. Natürlich ginge auch: vier Kanten, vier Streifen. Hier sind die Streifen selber nochmal gepatcht.
[I wanted to cut out this picture first, but I do admit: Yes. There is an ice cream parlor beneath my sewing desk.] Complete border. Of course you could choose four stripes for four edges. But here the stripes are also pieced.

Bevor diese kurzen Kanten aneinandergefügt werden, wird die Nahtzugabe umgeklappt.
Before sewing the short edges you pin up the seam allowance
.

Rechts auf rechts festgesteckt.
Right sides together, pinned up.

Mit Überwendlingsstich aneinandernähen.
Dies ist wie Lieseln ohne Papier. Man näht knapp an der Kante entlang und sollte wirklich nur je ein oder zwei Gewebefädchen des Stoffes erwischen. Wie immer: Ausprobieren, üben – und klappt wunderbar!
Joining with whipstitch.
It is like lieseling without paper pieces. Just sew tight to the edge and make sure to just fetch one or two threads of the fabric. As always: Try it, practice it – and everything works like a charm!

Fertig! Linke Seite . . .
Finished! Wrong side . . .

. . .  und rechte Seite. Auf diese Art werden die Randstreifen vorbereitet.
. . . and right side. This way you prepare the four border stripes.

Bei dieser Streifenlänge von ca. 30 cm habe ich die Nahtzugabe auch noch vorab umgesteckt. Aber je länger ein Streifen wird, umso unnötiger wird das vorherige Stecken der Nahtzugabe . . .
The seam allowance of the stripe with about 30 cm length is also pinned up first. But the longer the stripe, the more needless to pin the seam allowance . . .

1)

2)

3)

. . . denn so (Bilder 1-3) ist es dann viel einfacher: Geliesel und Randstreifen werden rechts auf rechts gelegt, sodass die Nahtzugabe vom Rand übersteht. Damit die Längen übereinstimmen, kann man an dieser Stelle einige Punkte (Anfang, Ende, Mitte . . .) mit Stecknadeln fixieren. Dann wird Stück für Stück die NZG eingeklappt und festgesteckt.
Anschließend wird der ganze Rand mit Überwendlingsstich angenäht. Fertig!
. . . because this way (pictures 1 – 3) it is easier: patchwork and border right sides together, seam allowance protruding. You could fix it with pins to make sure the length of both pieces is according. Bit by bit the seam allowance is folded and pinned.
Sew the whole border with whipstitch – done!

Noch ein paar allgemeine Überlegungen zu . . .
Bügeln: Ich würde die Nahtzugaben nicht vorab umbügeln. Erstmal ist es nicht ohne, über lange Strecken eine gleichmäßige schmale Kante sauber umzuklappen und zu bügeln. Und die scharfe Kante wäre vielleicht auch gar nicht hilfreich. Ohne Bügeln findet die Nähnadel automatisch immer die richige Stelle, aber mit einer Bügelkante müsste man eben immer den genauen Bügelknick treffen. Mein Fazit: Bügel ist an dieser Stelle unnötig, und Lieseln ist ja eh unplugged!

große Quilts: Es wäre sicher einen Versuch wert, diese Technik auf einen großen Quilt anzuwenden. Dann muss man nur wirklich sichergehen, dass die Längen von Gelieselrand und Randstreifen übereinstimmen, damit es keinenn ungewollten Faltenwurf gibt. Gilt ja auch fürs Applizieren auf einen Randstreifen . . . Ich habe es jedenfalls noch nicht ausprobiert!

Schablonen: Wie man sehen konnte, habe ich die Schablonen vom gelieselten Teil vorab entfernt. Das hatte keinen weiteren Grund als denn, dass ich jeden fertigen Block einfach weich und papierfrei haben wollte! Üblicherweise lässt man ja am Rand die Schablonen noch drin, solange man weiterlieselt. Andererseits drücken die Papierschablonen den Stoff ja etwas auseinander (deshalb wirkt ein Rand einer Lieselfläche in Arbeit etwas wellig), d.h. man könnte sich dann beim Abmessen des Randstreifens täuschen. Also: Die Schablonen müssen entfernt werden, bevor man den Randstreifen auf die oben gezeigt Art annäht.

Some thoughts about . . .
ironing: I think you don’t have to iron the seam allowance first. It could even be obstructive, because then you had to find the sharp crease while sewing. And it is not so easy to press a long seam allowance of a long border (at least, I don’t like it . . .)
Anyway: Lieseling is unplugged, right?

large quilts: Could be worth a try to add a border this way to a whole quilt. You just have to make sure to fit the length of top and border exactely.

paper pieces: You could see that I removed the paper pieces of the whole middle part. It was just because I wanted to have the whole smooth textile touch of it. But anyway, you must remove them before adding the border to find the matching length of the stripe and achieve a flat surface!

So, genug der technischen Worte! Jetzt zeig ich mal das gute Stück! Es hat mir viel Spaß gemacht und ich liebe das Ergebnis, auch wenn es erst noch nur ein ungequiltetes Top ist!
Enough talk! Now I’ll show the whole mosaic. It was so much fun puzzling the pieces and I love the outcome, even if it is still an unquilted top!

.

.

.

13 Antworten

  1. martina

    Oh wow, der ist wirklich sehr schoen geworden. Was fuer liebevolle Details. Super! Und danke fuer die tolle Idee mit der Umrandung.

  2. Antje

    Liebe Hilde,

    dein Quilttop ist wunderschön! Am allerbesten gefällt mir das o mit dem kleinen Krönchen!

    Du hast vollkommen recht, es ist wichtig erst die Schablonen raus zu machen. Bei größeren Teilen hefte ich den Rand dann noch, weil er sonst im Laufe der Zeit seine Form verliert (also ich meine, wenn man für das Randannähen etwas länger braucht). Und die Markierungen sind auch ganz wichtig!

    Nähst du von links nach rechts? Ich habe das vorgestern zum ersten Mal gemacht und fand, das es gleichmäßiger wird. Bisher habe ich immer von rechts nach links genäht.

    So eine Eisdiele unter dem Nähtisch ist doch ganz praktisch. Ich hoffe du wirst gut versorgt ;).

    Zum Applizieren nehme ich dünnes, weiches Garn (Seide) und Appliziernadeln. Dadurch wird die Naht wunderbar unsichtbar.

    So, jetzt habe ich von unten nach oben alles abgearbeitet. Ich bin schon gespannt, wie der fertige Quilt aussieht!

    Viele Grüße
    Antje

    • ildicolor

      Danke Ihr Lieben, alle!
      Liebe Antje, meistens nähe ich von rechts nach links, ja. Aber manchmal ändere ich die Richtung . . . Gewohnheitsmäßig nähe ich so, dass die Nadel zu mir zeigt, was sich aber manchmal komisch anfühlt. Denn wechsel ich die Stichrichtung, bis die Gewohnheit wieder durchkommt. Ich denke, am gleichmäßigsten wird es dann, wenn man in seinem ureigensten Wohlfühlnähfluss ist!
      xo Hilde

  3. Heike

    Hallo Hilde,
    danke für das Zeigen. Diese Art, einen Rand an seine Lieselarbeit zu bekomme gefällt mir sehr und ich werde sie auf jeden Fall ausprobieren.
    Dein Quilt sieht so schön aus. Wunderbar.
    Liebe Grüße
    Heike

  4. Rita

    Der ist ja wieder mal so schön geworden und die erklärte Technik würde super zu meinem Seerosenhexateichquilt passen! Vielen Dank!
    Die Farbcobi finde ich Klasse!
    Wunderschön!
    Wünsch Dir einen ganz schönen Tag, herzlich, Rita

  5. Liesel

    Hoi, mein Deern, oh wie hübsch ist dein kleiner Quilt geworden ! Als ich ihn letzte Woche fast fertig sah, dachte ich mir, ich hätte auch mal Lust auf was “Flaches”. Und ich kann noch was von dir lernen, denn ich hab mich nie getraut, einen Rand mit der Hand anzunähen. Mit deinem kleinen Kursus würde ich es auch machen können..
    Bis bald, liebe Grüße von Mama

  6. Christa

    Super schön, und so schön farblich zusammengestellt!

    Gefällt mir sehr gut!

    LG Christa

    • Heike

      Seit bald 2 Jahren liegt mein großer Lonestar ( 160cm x160 cm )ohne Rand herum, weil ich ihn nicht mit der Maschine annähen wollte. Deine Idee ist genau die Lösung , wonach ich die ganze Zeit gesucht habe. Danke für Deine Erklärung.
      Grüße Heike

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.