Krumme Beete, Teil 1: Inspiration

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In den Siebzigerjahren war es dann und wann die Aufgabe von uns Kindern, mit Milchkanne am Lenker zum nahegelegenen Hof am Stadtrand zu radeln. Das Beste daran war für mich zweifellos, die harten Schädel der Kälbchen im Stall kraulen zu dürfen. Später dann waren es die frischgelegten Eier, die wir von einem kastigen alten Haus mit großem Garten und Hühnerhof für ein paar Münzen Eiergeld holten.    Der Weg zu Kühen und Hühnern führte durch Heckenwege und Wiesenstücke, vorbei an Wald und Schrebergärten – und an einem Gemüsegarten entlang, in dem Kohl und Salat, rot und grün und kraus und lila, Liebstöckel, Lauch und sonstige Gemüse akkurat ihre Reihen zogen.

Saftig und sattgrün; bodennah Runkeln und Rüben, die nach und nach ihre Kuppen in allerlei Schattierung aus der Erde schieben; und obenauf licht schwebend feingliedrige Dillschirme. Jeden Monat, jede Woche ein anderes Gesicht. Werden und Welken, kräftige Setzlinge und leere Reihen, trockene Blattspitzen und pralle Früchte. Saat und Ernte.

Wo auch immer ich heute noch solche in Reihen angelegte Gemüsebeete sehe, bin ich voll Bewunderung. Die Verheißung knackiger Ernte und köstlicher Suppentöpfe aus gezähmtem Grün – in meinem Garten undenkbar. Hier ranken und spazieren die Pflanzen wie sie wollen. Diese Freiheit danken mir die Tomaten mit reicher Ernte, allerdings haben sie das Salatbeet gleich miterobert und Rucola und Gürkchen Licht und Wasser abgegraben.   Das ist schon okay. Ich würde es nie schaffen, diese akkuraten Reihen von Rüben und Radieschen zu zähmen, oder auch nur zähmen zu wollen.

Der Anblick solcher Gärten entzückt mich jedoch jedes mal zutiefst. Ich könnte stundenlang an Zaunpfosten lehnen und genießen.

… gefunden in einem Alpendorf …

Vielleicht pinne ich das Bild einfach an mein Hochbeet und die Pflanzen machen das dann mal schön selber. Bis dahin: bin ich der Typ für Krumme Beete. Das ist ja sogar das Schöne an all diesen schnurgeraden Reihen – dass sie eben nur bedingt exakt sind, weil bei aller Geradlinigkeit die Pflanzen doch immer ein wenig aus der Reihe springen und lebendig in ihre eigene Richtung wachsen. Keine ist wie die andere. Und wenn ein Dutzend Brokkoli genau auf Reihe steht, wie die Fußballer bei der Nationalhymne, sind sie zwar alle irgendwie gleich, spielen alle für dasselbe Team, aber jeder ist halt doch ein Individuum. Vielleicht hat mich das auch schon immer heimlich gefreut, wenn ich die perfekten Reihen sah – perfekt und eben doch nicht durch dieselbe Schablone gedrückt. Artig, aber immer individuell.

Als ich meine diessommerliche Urlaubsstrickerei begann, kamen mir mit all den gestrickten Streifen gleich diverse Beete in den Sinn. Nicht nur die abgesteckte Gartenerde, sondern auch Rote Bete und andere Rüben.

Löwenzahn, ordentlich in Fugen aufgereiht
LogCabin: Streifen um Streifen aus der Mitte heraus angelegt
Krumme Beete, in Arbeit

Die Streifen des überdimensionalen LogCabin sind zwar rechnerisch exakt, so wie die mit Schnur gezogenen Saatlinien, sie führen aber durch unterschiedlichste Garnqualitäten alle ein bisschen ihr Eigenleben. Der eine Streifen biegt sich, der andere krümmt sich und nimmt ihn auf, gibt Raum, schiebt sich dafür an der Ecke nach außen… Und trotzdem fügt sich alles aufs Wunderschönste ineinander. Das Krumme, Organische betrachte ich voller Respekt und Bewunderung. Glückseligkeit.

(Es wird nach und nach weitere Infos zur Strickdecke Krumme Beete geben, und wenn sie fertig ist auch eine Anleitung, bzw. alle Erfahrungen und Tricks, die ich auf dem Weg gesammelt habe.)

Wimpelgrüße

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Was war das für ein schöner Sommermarkttag, neulich in der Patchworkdiele in Jeinsen! Ich grüße alle, mit denen ich dort so nett plaudern durfte!

Mein blog ist kürzlich auf die neue ildico-Webseite umgezogen – siehe auch vorheriger Beitrag ♡ – und ich freue mich, Euch jetzt hier von Zeit zu Zeit den Tag mit farbfrohen, kleinen Teilchen zu versüßen.   Was mich wieder zurück zum Thema Sommermarkt bringt, bei dem nämlich eine farbfrohe Kleinigkeit sehr sehr gut ankam:

Die Wimpelkette! Diese Wimpelgrüße machen einfach gute Laune.

Wir haben seit Jahren die ein oder andere dieser Wimpelketten im Garten, am Schuppen, an der Dachkante. Nach ein paar Jahreskreisen inklusive Wintern unter freiem Himmel dürfen sie zwar durchaus mal durch neue Fähnchen aufgefrischt werden, aber ich bin ja ein großer Freund von Textilschmuck im Garten, Vergänglichkeit hin oder her.   Apfelbäume umhäkeln, Regenrohre bestricken, es wird alles umgarnt. Und dazu eben auch gerne Fähnchen und Wimpel. Wenn man sie etwas geschützter hängt, unter Terrassen- und Balkonüberdachungen, Carports oder in den Eingangsbereich, bleiben sie um so länger schön.

Die Resonanz neulich hat mich darin bestärkt, eine Anleitung für diese schmückende Girlande zu schreiben, damit Ihr Eure eigenen Wimpelgrüße gestalten könnt. Die kleine Näherei ist einfach erfreulich. Als Bonus enthält das mehrseitige, im Shop erhältliche pdf-Dokument eine Schritt für Schritt Anleitung, wie beim Lieseln Rauten geheftet werden; sogar mit einer Variante, bei der die sonst überstehenden Nahtzugaben eingeklappt werden – das ist nicht nur für Wimpeldreiecke nützlich, sondern beispielsweise auch beim Applizieren von Sternen.

Natürlich sind die Wimpelgrüße nicht nur für den Einsatz draußen gedacht, sondern verbreiten auch drinnen in der Wohnung ihren sanften, freundlichen Zauber.

Einladend, begrüßend, liebenswert!

Wimpel können message und statement tragen wenn man sie einzeln mit Buchstaben versieht. Zum Beispiel an der Zimmertür: Ob die Wimpel liebevoll den Namen eines Kindes buchstabieren 
(♡ P A U L A ♡ mit Schnörkel und Blümchen) oder ob es eher die Phase für   !  S T O P P  !   oder [wüste Flüche] und Totenkopfprint ist (aber das schon mal gar nicht auf peinlichen Wimpeln, Mama, also bitte!!!), hängt deutlich vom Alter des Schnuckelchens ab.

Zum Glück ist man nie zu jung oder zu alt für ein freundliches 
W I L L K O M M E N  oder 
H O M E  S W E E T  H O M E  oder  
F R Ö H L I C H E   W E I H N A C H T E N  U N D E I N F R O H E S N E U E S J A H R  – und wem das deutlich viel zu viele Wimpel zu besticken sind, der wähle einfach  X M A S.  

Oder  L I V E   L  A U G H   L O V E   
bzw.   L E B E   L I E B E   L A C H E    was alles in allem ganz schön viele Ls sind, und man kann sie rund ums Jahr im Flur hängen lassen und nicht nur im Advent, in dem man eh immer überdimensional zu tun hat, und dann noch Girlanden suchen / nähen / aufhängen und das Ganze dann schon im Juli bedenken… Also nee. Dann doch lieber die Ls.

L wie Lieblingsgirlande.  
Ich hoffe, Ihr habt ebenso viel Spaß daran!

Komebukuro!

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Hallo Ihr Lieben! Willkommen zurück!

Wie startet man nach langer Pause neu? Wo war ich?
Eigentlich immer da; denn wie Donald Duck schon sagte: „Well anyway I‘m not lost. I know I’m still somewhere in Alaska.“ Was ziemlich frei übersetzt und in meinem Sinne bedeutet: Ich kann mich gar nicht verirren, ich weiß doch, dass ich immer irgendwo im Universum bin. Also.

In den letzten Jahren habe ich mein Atelier siebenundzwanzig mal umgeräumt, aussortiert und wieder vollgestopft mit Ideen und Plänen und Projekten aller Art, bis hoch unter die Decke. Nochmal durchsortiert, alle braunen Pappkartons entfernt, Skizzenbücher gefüllt, ausgemistet – immer auf der Suche nach Erkenntnis.

Es gibt diese meditative Übung, die, kurz gesagt, im Prinzip so funktioniert: Man setze alle momentanen Gedanken und Gefühle innerlich an einen metaphorischen, großen Tisch, um aktuelle Bestandsaufnahme zu machen. Was ist da drinnen eigentlich los? Diese Szenerie wird schön mit geschlossenen Augen und tiefenentspannt aus dem Beobachterposten heraus inspiziert. Jeder Gedanke, jedes Gefühl bekommt einen Platz. Da hockt dann beispielsweise der innere Schweinehund bockig und mampfend vor der Chipsschüssel, kurz davor die Füße auf den Tisch zu legen, oder das Pflichtbewusstsein dreht hübsch abwartend Däumchen, und neben der dauergniggelnden Amüsiertheit sitzt die Seriosität und sagt Also bitte!
So etwas in der Art.

Meine imaginäre Tischrunde präsentierte sich größtenteils wohlerzogen, wie das Renaissancebild einer sommerlichen Picknickgesellschaft. Nur einer passte nicht ins sittsame Bild: Es gab da diesen einen Mitspieler, der nicht mal ansatzweise bereit war sich hinzusetzen – außer vielleicht mitten auf die Tafel, mitten auf die Himbeertorte. Es war dieses kreischende, springende Äffchen, Creme von den Fäusten schleckend, das die Bäume rauf- und runterflitzte und begeistert krähte: „Ich will alles!!! Es ist ALLES so spannend und aufregend und – WOW! Habt Ihr diesen unglaublichen Vogel da gesehen?! Jetzt schwinge ich mich unbedingt sofort zu diesen duftenden Blüten da vorne und dann werfe ich Steinchen in den See, könnt Ihr es sehen und hören, und zack! den Baum rauf und drei Tannenzapfen auf die Humorlosigkeit geworfen, was ist die bloß so unentspannt? High Five mit der Albernheit, und jaaa, ich schreie, wann ich will, und wieso kuckt Ihr jetzt alle so komisch? ICH hab die Zeit meines Lebens!“ Irritiert klappte ich die Augen auf (mein chinesisches Sternzeichen ist Affe, hihi haha hoho, wenn schon, dann richtig) und fragte mich: Was war das denn bitteschön?! Die Erkenntnis? Ääähm …. Ich nehme 1 x alles oder was? Je bunter, je besser? Und unter dem Applaus des prächtig gedeihenden Äffchens begann ich wieder mit malen, collagieren, stricken, häkeln, zweifarbig stricken, handnähen, maschinenähen, experimentieren, texten, drucken, streichen, tuschen, backen, schreiben … Ab und zu kann man daran schon verzweifeln. Sollte ich nicht mal klare Kante … ? Und besser mal 24/7 bei einer Sache bleiben …? Aber jedes Mal, prompt wie der Sturm nach Februarvollmond, schiebt sich das Äffchen ins Bild und ruft lebensfroh und begeistert Hallooo! Ich bin‘s!!! Die Vielfalt! Deine zweite Natur! Yeah! Heyyy, was machen wir heute?!

Ich bin wie ich bin. Das sagen jetzt bitte mal alle im Chor. Weil wir das alle viel zu oft vergessen. Jeder ein Unikat, zusammen eine große Vielfalt.

Und nun möchte ich mein Fenster zur Welt wieder öffnen, und zeigen und teilen, was alles so aus meinem Farbtopf und kreativen Herzen herausbrodelt.

Der blog konnte wieder starten, weil die neue Webseite online! ist. Frisch, funktional und neu gestaltet. Es hat eine Weile gedauert, aber jetzt bin ich sehr glücklich darüber. Inhaltlich wird über die Zeit etliches dazukommen. Wenn Ihr Fragen habt oder etwas sucht, meldet Euch gerne. Auch der Shop wird nach und nach bestückt; mit dem gewohnten Lieselzubehör, mit Anleitungen zum Download, aber auch mit meinen neuen Lieblingen, den Unikaten im ildico-Design.

Heute: Komebukuro! Was hier so klingt wie ein interstellares „Lebe lang und in Frieden!“, ist japanisch und bedeutet Reisbeutel. Wie ich gelernt habe, wurde dieser quadratische Zugbeutel früher zum Transportieren von Reiskörnern verwendet – und später eher zum Verpacken von Geschenken oder Kleinigkeiten.

Kaum dass ich jammerte, dass ich gerade keine olle Jeans zum Experimentieren hätte, gab mir eine liebe Freundin ausrangiertes Hemd und Hose zum Zerschneiden. Es ging mir in dem Moment eigentlich um Jeanstaschen, es entstand aber ein Reisbeutel. Die Dinge haben ja so häufig eine Eigendynamik, und sich dagegenzustemmen ist meistens sinnlos. Wenn Stoffe sagen, dass sie ein japanischer Reisbeutel werden möchten, dann lohnt es sich, darauf zu hören.

In diesem Modell wohnt inzwischen schon ein glückliches Strickzeug. Und bei mir sprudelten nach diesem Experiment etliche weitere Komebukuros hinterher. Demnächst auch hier im Shop zu finden.
Ich wünsche Euch einen zauberhaften Junitag! (Mein aktuelles Projekt heißt prompt „Another Day in June / An einem Junitag“ – aber das ist eine andere Geschichte)

♡♡♡ Liebe Grüße in alle Richtungen! ♡♡♡

Gedanken über den Kleiderbügel

Veröffentlicht in: Farbteilchen, Stricken | 1

bestrickter Kleiderbügel am Werkstattschrank, letzte Fäden soeben vernäht

Mit dem Kleiderschrank ist das so eine Sache. Meistens ist viel zu viel drin. Aber gerade, wenn man eine Schwäche für Textiles hat, hat man für eine Menge Kleidungsstücke aller Arten gute Argumente.    Irgendwann bin ich dazu übergegangen, meine Garderobe nach Farben zu sortieren. Sehr erfrischend, nützlich, und teilweise erstaunlich. Doch soviel Schwarz? Erstaunlich viel Weiß. Fast kein Gelb oder Grün. Rottöne, viele diverse. Blau, Lila, sowieso. Warum Grau?     Wer sich zu zweit eine Kleiderstange teilt (meine Hälfte, deine Hälfte), kennt vielleicht den Effekt, dass sich periodisch seine/ihre  Hemden/Kleider rüberdrängeln und versuchen, Raum zu erobern. Dabei gewinnen nur die Knitter und Falten in den plattgedrückten Stücken.  Also wieder eine Aussortieraktion, und das Auslagern von Shirts in Kommodenschubladen.

(Schon wieder viel zuviel, und die Farbsortierung den Bach runter.)

Einiges bleibt auf Bügeln. Aufgebügelt, sozusagen. (Als ich irgendwann mal einen Studentenjob in einer Modeboutique machte, bekam ich einen ziemlichen Schock als die Chefin auf turmhohe Berge von Warenkartons zeigte und uns Mädels anwies: „Die Ware müsst Ihr aufbügeln!“. Ich sah mich schon schwitzend endlose Stunden am Bügelbrett stehen  –  aber nein, die Ware musste nur Auf Bügel. Aha.)

Diese Drahtbügel von der Wäscherei, aus denen man so gut Herz oder Kreis als Rankhilfe für Zimmerpflanzen biegen kann, finde ich sehr fotogen. Stylisch. Understatement. Reduziert aufs Wesentliche, ein Stück Draht, gebogen, um wertvolles Textil zu tragen.   Aber ehrlich, praktisch sind sie nicht, außer für Tops oder sonst irgendwas mit Spaghettiträgern.   Und da ja unser schönster Handarbeitsdaseinszweck darin liegt, das Alltägliche zu versüßen und dem grauen Alltag etwas Farbe zu verleihen, der Wolke quasi ein lächelndes Gesicht zu verpassen, ist es so eine charmante, nette, (un-)nötige Geste, einfachen alten hölzernen Kleiderbügeln ein verziertes Strickkleid maßzuschneidern. Über dem sie dann unser Kleid tragen.

Auf den Punkt und wenig hübsche Bügel gebrachte Garderobe. Das wär’s doch.

Wenn schon schief, dann richtig

Veröffentlicht in: Häkeln, Stricken | 4

Faule Sommerstunden eignen sich ja hervorragend für kleine Häkeleien und Co, bei denen das Hirn ausgeschaltet bleiben darf und die Hände einfach nur gemütlich werkeln. Nur ab und zu werden hübsche Farbreize nach oben an die Schaltzentrale gemeldet und mit einem Ach wie schön! kommentiert. Und genauso automatisch, wie die Finger rechte Maschen und feste Maschen können, gehen die Füße in hübschen Urlaubsorten in hübsche Handarbeitsläden. Das läuft quasi auf Autopilot. Eine halbe Stunde später im Café packt man dann die Garnschätze aus und freut sich, was man alles in den Tüten entdeckt, zum Beispiel gutes Baumwollgarn zum halben Preis.

Das Urlaubsgepäck enthält natürlich Strick- und Häkelnadeln unterschiedlichster Stärken und Größen, nur für alle Fälle. [Note to self: Nächstesmal weniger Klamotten in den Koffer packen. Es treten sowieso nicht alle Eventualitäten ein. Und wenn, dann andere. / Gilt nicht für Handarbeitszubehör.] Also konnte ich flugs ein nettes kleines Sternchenmuster ausprobieren. Ziel: ein Gästehandtuch. Lief gut. Quasi von alleine. Irgendwann war es Zeit für einen Farbwechsel („Ach wie schön!“), aber huch! Das sah ganz schön schief aus.

Das zweite Garn war dünner, und auf dem Weg bis dahin war im Ferienmodus auch die ein oder andere Masche verlorengegangen. (Später merkte ich, dass die Garne zwar auf den ersten Blick die gleichen Banderolen, aber unterschiedliche Lauflängen hatten. Was man eben so aus dem Halber-Preis-Restekörbchen zieht). Es erinnerte mich stark an meine ersten Strickversuche im letzten Jahrhundert, bei denen ich konzentriert Masche um Masche um die Nadeln knotete. Das Stückchen damals hatte den gleichen Rosaton und war genauso schräg (was an unfreiwillig eingebauten verkürzten Reihen lag).Vielleicht war es diese nostalgische Verklärtheit, derentwegen ich meinen Häkellappen aus dem Jahr 2017 doch recht charmant fand. Und so machte ich das Schräge zum Leitfaden.

Handtuch, topaktuell.

Und weil trotz wechselnder Wetterlage immer noch Sommer ist, mit hier und da bis 30°, und Werkeleien in Baumwolle dann sehr nett sind, mache ich gleich weiter mit meinen Handtuchspielereien.

Sommerfarbspiel. Einfach mal so. Brauche ich noch mehr kleine Handtücher? Nö. Macht aber nichts. Farbe brauche ich, und Garn in den Fingern. Passt schon.

Veilchenblaues Garn

Veröffentlicht in: Häkeln, Kleidung | 3

Neulich auf meinem Einkaufszettel:
rote Bohnen
schwarzer Pfeffer
Grünkern
Weil es so schön war, schrieb ich schnell noch Orangensaft und Blaubeeren dazu.

Was ich dann im Handarbeitsgeschäft wollte, weiß ich jetzt auch nicht mehr so genau, denn ich kaufe Textiles quasi immer intuitiv, ohne Einkaufszettel. Und ich finde immer etwas.   Diesmal: ein augenfällig präsentiertes, schlichtes, schwarzes Häkelkleid auf einer Schneiderpuppe, das mit buntem Stoff und einem Strickschal aus Effektgarn dekoriert war. Eigentlich zieht mich Schwarz nicht mehr sonderlich an, aber als ich dieses Häkelkleid sah, hatte ich auf der Stelle pling! Herzchen in den Augen. Ich wollte es sofort nachhäkeln. Sofort. Am besten noch gleich im Laden anfangen. Also fragte ich atemlos nach der Anleitung, denn wieso sonst sollte es dort ausgestellt sein, im Handarbeitsgeschäft, wenn nicht, um die Anleitung dafür zu verkaufen?    Wie sich herausstellte, gab es sie nicht mehr. Was aber viel besser war: Es gab eine Geschichte dazu. Weil ich so bemitleidenswert um dieses Kleid herumjammerte, wurde die Mitarbeiterin dazugeholt, der das Kleid gehört, und ich dachte, tschacka! das ist diejenige, die es gehäkelt hat, und gleich sagt sie mir wie, und zieht eine achtfach gefaltete, zerknitterte Anleitung aus der Hosentasche… Aber nein. Sie erzählte, dass dieses Häkelkleid das erste von einer Reihe von Kleidern ist, die ihr Vater für sie häkelt! Ich durfte noch ein paar Fotos ansehen und war ganz bezaubert von dieser Vorstellung, in der ein Papa für seine erwachsene Tochter Kleider häkelt.   Diese liebenswerte Familie versuchte Tage später sogar noch, hin- und hertelefonierend, für mich das Schnittmuster ausfindig zu machen (das nicht mehr vorhanden war), gab mir aber ein paar Hinweise, und mithilfe einiger Schnappschüsse von dem Kleid, die ich im Laden machen durfte, ist eben genau dieses Kleid jetzt gerade in Arbeit.  –  Aber ich greife vor. Denn noch befinden wir uns ja (<< rewind) vor der Schneiderpuppe mit dem Kleid, ich daneben, von einem Fuß auf den andern tänzelnd, glitzeräugig voller Hoffnung auf die Häkelzeitschrift mit eben diesem Modell.  Aber es half alles nichts. Irgendwann wurde mir klar, dass ich zumindest an diesem Tag mein Einkaufskörbchen nicht mit den Zutaten für genau dieses Kleid füllen würde, und so überbrückte ich die Zeit mal kurz mit dem Einkauf für ein Alternativkleid. Eine Zeischrift, in der das Häkelmodell narrensicher schwarz auf weiß festgehalten war (das Titelmodell, da konnte nichts schief gehen), und ein Beutel ganz entzückendes, veilchenblaues Garn, ein Gemisch aus Baumwolle, Modal und einer kleinen Beimischung von Viskose (Lang Norma – nicht verzwirnt, sondern verflochten, quasi). Ich häkelte mit einer dreieinhalber Nadel was das Zeug hielt und beschaffte mir unterdessen die bröckchenhaften Informationen zu dem schwarzen Kleid, das mir nicht mehr aus dem Sinn ging. Wie gesagt, eh jetzt vor dem inneren Auge traumhafte spitzengarnierte ballkleidartige Gebilde erscheinen: es ist ziemlich schlicht. Kann sogar sein, dass es den Charme einer Häkelgardine gekreuzt mit einem Einkaufsnetz hat, mit untenrum ner Borte drum.    Aber trotzdem – oder  gerade deswegen – so schön.
Erstmal häkelte ich veilchenblau.
Zeit verging.

hilfsbereiter Häkelkater

Das Ersatzkleid entwickelte sich prächtig, wurde irgendwann fertig und durfte schon mit mir spazieren gehen. Es trägt sich beispielsweise sehr schön über einer Jeans.

Als meine Familie und ich neulich zum Sonnenuntergang nett in einem Bistro saßen und Fruchtcocktails durch Strohhalme zogen (okay – meiner hatte eine kleine Beimischung von karibischem Rum – kleiner Gruß an Captain Jack Sparrow), seuftze ich kurz, wie schön es doch wäre, hier und jetzt in dieser Stimmung mit der tiefstehenden Sonne über den Feldern, hätte ich mein Häkelzeug dabei, in meinem selbstgenähten Rucksack… und überhörte geflissentlich die Kommentare (die ich jetzt nicht wiedergeben kann, denn ich hab sie ja überhört, aber sie gingen in die Richtung von   man kann ja auch mal ohne zu häkeln irgendwo sitzen). Aber ich packe mein Häkelzeug ein und aus, wo ich will, gottseidank, denn dann hat man irgendwann eine Menge echt schicke Sachen zum Anziehen.

veilchenblau und wundervoll

Hach ist das schön. Und stricken und handnähen geht übrigens auch überall.

Aufgepolstert

Veröffentlicht in: Nähen | 4

Was passiert eigentlich mit all den Dingen, die unentwegt genäht und gehäkelt werden, mit all den Decken und Kissen und Taschen und Quilts und Teilchen? Eine Frage mit einem Universum voller Antworten.    Eine der möglichen Antworten ist: Ein Kissen wird jahrelang benutzt und ist irgendwann zerschlissen. Ein farbenfrohes Kuschelkissen, geknautscht, geplättet, geschüttelt, zeigt viele Kalenderblätter später deutliche Spuren der Zeit. Und dann? Entweder ist da nichts mehr zu retten und es geht in den großen Kreislauf zurück, kann im märchenhaften Idealfall auf diversen schrägen Wegen zum Dünger für Baumwollpflanzen werden und als hübscher Stoff wiedergeboren werden, bereit, Teil eines neuen Kuschelkissens zu werden – oder zur Abwechslung vielleicht mal eine Hose oder Tasche, abenteuerlustig in der Welt unterwegs.    Bis es soweit ist, könnte das eselsohrige Kuschelkissen aber eine Chance bekommen, restauriert werden und noch eine Weile bleiben.

 

Irgendwann im letzten Jahrhundert hatte ich aus bunten Dreiecken ein Patchworkkissen genäht. Dieses traditionelle Muster heißt irgendwas mit Mountain. Wie auch immer, auch am stärksten Berg sägt der Zahn der Zeit und irgendwann waren die Löcher in der Hülle nicht mehr zu übersehen. Also nahm ich das ramponierte Kissen mit in die Nähstube und tauschte ein paar Teile aus. Applizierte liebevoll Flicken. Steppte hier und improvisierte da. Hinter das Patchwork kam eine Lage Stoff zum Verstärken, denn die Stoffe sind allesamt ganz schön dünn geworden. Die alte Kissenrückseite hatte mir eigentlich nie wirklich gefallen, so ein kleingemusterter Blümchenstoff, also ersetzte ich die Rückseite durch ein Stück Vintagestoff mit Pferd. Das wollte auch mal an die Luft.   Und ehrlich gesagt, die alte Füllung hat auch nie gepasst: Sie war zu klein, so dass die Ecken der Füllung über die Jahre die Patchworkteilchen durchgescheuert haben.   Jetzt ist es flauschig weich neu gefüllt, komplett bis in die Ecken mit Füllwatte gepolstert, da scheuert nichts mehr.

Bis das Kissen das Nähstübchen voll restauriert verließ, verging einige Zeit. Jetzt ist es wieder da. Sitzt mit auf dem Sofa, bekommt ab und zu einen Tropfen Kaffee, wird liebevoll geknautscht, untergelegt, zurechtgeknuffelt und plattgesessen.    Es sieht ganz glücklich aus.

Aprilwetter

Veröffentlicht in: Lieseln | 3

And I never buy umbrellas   Cause there’s always one around (Tom Waits)

Kinder, wie die Zeit vergeht! Jetzt ist draußen schon wieder Aprilwetter. Durchwachsen, einzelne Schneeflocken, nass, trocken, dies und das, aber im Haus laufe ich schon beharrlich barfuß. Draußen ist es ungemütlich. Dabei war es neulich schon so schön warm – als ich unter einer Weide langspazierte, summten über mir Bienenschwärme, und die alte Kiefer knisterte, weil in der Sonnenwärme die Zapfen aufsprangen. Und dann drehten sich kleine Kiefersamenpropeller in der sanften linden Brise auf ihrem Weg zur Erde, irgendwo.

Aprilwetter war 2016 auch der Name für einen netten kleinen Kissenentwurf für die Patchworkgilde. Schon ist ein Jahr um, und ich kann den Entwurf für alle Interessierten online stellen – Kissen gehen immer, besonders, wenn man sich dann und wann auf der Suche nach ein bisschen Frühjahrsnestwärme nochmal einkuschelt. Oder am Wochenende noch ein Weilchen im Bett sitzen und lesen oder stricken möchte. Hier ist das Aprilwetter-Kissen-pdf.

Enjoy!

Schlüsseleule

Veröffentlicht in: Nähen | 2

eule1Text und Textil, immer wieder.
Eigentlich wollte ich nur eine kleine Eule nähen, als Geschenk für eine liebe Eulenfreundin – Freundin von mir und Freundin von Eulen.

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Vor Jahren schon hatten wir nach dieser Inspriration, gefunden in einem japanischen Buch, Schlüsselkatzen genäht (Dieses Buch hier, so alle fünf Jahre kommt es wohl ganz gelegen). Meine kann ich leider nicht mehr zeigen, weil ich sie verloren habe. Genauer gesagt ist sie natürlich nur weitergereist, hat sich irgendwie abgeseilt und ist davonspaziert, sie ist ja nicht weg, sondern nur woanders. – Aber die Schlüsseltaschenform finde ich sehr süß, und wo eine Katze ist, ist eine Eule nicht weit. Eine Eule ist eigentlich sowieso nur eine Katze mit Püschelohren und Flügeln und Riesenaugen und ohne Schwanz und ohne Zähne und okay, vielleicht doch nicht.

Aber man kann es ja mal probieren, aus einer Katze eine Eule zu zaubern. Und wie ich so am Werkeln war, erzählte mir die Eule ihre Geschichte. Ich hab sie gleich aufgeschrieben…

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Wie schön, wenn jeder seinen eigenen Weg findet.

Novembersüße

Veröffentlicht in: Jahresrad, Lieseln | 5

nov01
nov06

Novembernebel, Geheul und Wandel. – Vielleicht versüßt das November-Angebot in der Lieselei (zu jedem Lieselbuch 1x Papierschablonen nach Wahl gratis, zum reinen Buchpreis) der ein oder anderen Lieslerin die dunklen Abende, oder die einer lieben Freundin. Denn ich weiß ja, wie über den wundervollen November gejault werden kann, wenn Nacht und Nebel zu lang und zu dicht werden und etwas Farbe ins Leben muss.

nov03

nov04

nov07

Ich mag den November. Ich weiß, das sag ich jedes Jahr. Und jedes Jahr bin ich wieder entzückt, wenn November ist. Mit dieser Meinung schwimme ich im Großen und Ganzen gegen den Strom. Und ja, es ist dunkel, es wird kalt, man nimmt Abschied von Jahr und Garten und fühlt all das Blühende und Wachsende durch die Finger gleiten, Moder, Moos und Pilze. Wird jemals wieder eine Blüte aus diesem tristen Boden treiben? Ja. Wird sie. Aber erstmal wird Platz gemacht. Und auch wenn der Spätherbst dunkel und grau ist, ist er doch das Negativ, die Vorbereitung für das unbeschriebene weiße Blatt, auf dem wieder alles möglich ist. Und weil die Sonne besonders golden ist, wenn sie denn mal golden scheint, im November, und ja, weil ich ein Novemberkind bin, habe ich das Gefühl, den liebenswerten November mit seinem Nebel und seinen in den Boden sinkenden Blättern ab und zu mal hochhalten zu müssen und zu sagen, seht her, er ist einer von Zwölf, nur mit ihm ist das Jahr vollständig! Fast hätte ich gesagt: Ihn ab und zu mal in den Arm nehmen zu müssen – das freut ihn natürlich auch, aber brauchen tut er das nicht, er ist nämlich stark und präsent und schafft das getrost ganz alleine.

Vielleicht freut sich aber der ein oder andere Mensch, wenn er denn (konkret oder im weitesten Sinne) ab und zu mal in den Arm genommen und gedrückt wird, wenn der Novembernebel gar zu grau ist. Und weil es vom tröstlichen Licht und nettem Austausch nicht weit bis zum geselligen Handarbeiten ist, mit Tee und Kerzen, Farben und weichem Material, können wir unser Nähkörbchen jetzt ruhigen Gewissens vorholen und in aller Weltenruhe farbige Werke schaffen, und uns selber bestätigen: Im Frühling wachsen die Blumen wieder. Aber erstmal zur Ruhe kommen…

nov02

nov05